Erst die dokumentierte Kanalmessung macht eine Verkabelung normkonform, nicht die verbauten Komponenten allein.
Wer eine Netzwerkverkabelung für Unternehmen planen, ausschreiben oder abnehmen lässt, kommt an DIN EN 50173 nicht vorbei. Die Norm definiert, welche Klassen und Kategorien für welche Anwendungen geeignet sind, wie ein normkonformer Kanal aufgebaut sein muss und wie die Abnahme dokumentiert wird. baconnect plant und installiert strukturierte Verkabelung nach DIN EN 50173 und übergibt normgerechte Messprotokolle zur Abnahme.
Was ist DIN EN 50173?
DIN EN 50173 ist die deutsche Übernahme der europäischen Norm EN 50173, die ihrerseits auf dem internationalen Standard ISO/IEC 11801 basiert. Sie regelt die generische Verkabelung für Kundengebäude: Anforderungen an Kabel, Steckverbinder, Rangierkabel und die Übertragungsqualität des kompletten Kanals.
Zweck und Geltungsbereich
Die Norm gilt für Bürogebäude, Industriegebäude, Wohngebäude und Campusanlagen. Für Rechenzentren gilt ergänzend EN 50600. DIN EN 50173 beschreibt eine hersteller- und anwendungsneutrale Infrastruktur, die auch nach Jahren für neue Dienste und Protokolle offen bleibt.
Aufbau: Teile der Norm
Die Norm ist in mehrere Teile gegliedert: Teil 1 enthält die allgemeinen Anforderungen, Teil 2 die spezifischen Anforderungen für Bürogebäude. Weitere Teile behandeln Industriegebäude (Teil 3), Wohngebäude (Teil 4) und Rechenzentren (Teil 5). In der Praxis sind Teil 1 und Teil 2 gemeinsam maßgeblich.
Verhältnis zu ISO/IEC 11801
ISO/IEC 11801 ist der globale Rahmen, EN 50173 die europäische Ausprägung, DIN EN 50173 die nationale deutsche Übernahme ohne inhaltliche Abweichung. Für den Praxisalltag sind die Normen gleichwertig: Ein Netz, das EN 50173 erfüllt, erfüllt auch ISO/IEC 11801.
Klassen und Kategorien: der Kern der Norm
DIN EN 50173 unterscheidet zwischen Klassen (für den kompletten Übertragungskanal) und Kategorien (für einzelne Komponenten wie Kabel und Steckverbinder). Beide Konzepte werden häufig verwechselt, sind aber klar getrennt.
Klassen: Anforderungen an den Kanal
Der Kanal bezeichnet die komplette Übertragungsstrecke vom Endgerät bis zum aktiven Element, einschließlich Rangierkabel. Die Norm definiert folgende Klassen nach Grenzfrequenz: Klasse D bis 100 MHz (Gigabit-Ethernet, Kat. 5e), Klasse E bis 250 MHz (Kat. 6), Klasse EA bis 500 MHz (10-Gigabit-Ethernet bis 100 Meter, Kat. 6A), Klasse F bis 600 MHz (Kat. 7), Klasse FA bis 1000 MHz (Kat. 7A). Für Neuinstallationen empfiehlt sich heute mindestens Klasse EA.
Kategorien: Anforderungen an Komponenten
Kabel und Steckverbinder werden nach Kategorien zertifiziert: Kategorie 5e entspricht Klasse D, Kategorie 6 entspricht Klasse E, Kategorie 6A entspricht Klasse EA. Damit eine Installation die Klassen-Anforderungen erfüllt, müssen alle eingesetzten Komponenten mindestens der zugehörigen Kategorie genügen. Einzeln zertifizierte Komponenten garantieren noch kein normkonformes Gesamtsystem, das entscheidet erst die Kanalmessung.
Glasfaser-Klassen nach DIN EN 50173
Auch Lichtwellenleiter sind in der Norm geregelt. Die optischen Klassen OF-300, OF-500 und OF-2000 benennen die maximalen Kanallängen. Für kurze Strecken gilt Multimode (OM4/OM5), für lange Strecken und Gebäudeverbindungen Singlemode (OS2). Die Kupfer-Klassen gelten für LWL-Strecken nicht, maßgeblich sind Dämpfungs- und Bandbreitenwerte je Faser.
Technische Anforderungen der Norm
Die Norm legt Grenzwerte für elektrische Übertragungsparameter fest, die ein normkonformer Kanal einhalten muss. Diese Werte bestimmen, ob eine Verkabelung für bestimmte Dienste tauglich ist.
Kanalmodell: Permanentlink und Channel
Die Norm unterscheidet zwei Messmodelle. Der Permanentlink beschreibt die fest installierte Strecke ohne die Rangierkabel an Endgerät und Patchfeld. Der Channel umfasst die gesamte Verbindung einschließlich Rangierkabel und entspricht der tatsächlichen Nutzungssituation. Beide Modelle haben eigene Grenzwerte: Der Permanentlink dient der Abnahme durch den Installateur, der Channel der Qualitätssicherung im Betrieb.
Wichtige Übertragungsparameter
Nahnebensprechen (NEXT) beschreibt Einstreuungen zwischen Adernpaaren am nahen Ende, Fernnebensprechen (FEXT) am fernen Ende. Einfügedämpfung misst den Signalverlust über die Strecke, Rückflussdämpfung zeigt Reflexionen durch Impedanzsprünge. Übertragungsverzögerung und Verzögerungsunterschiede zwischen Paaren (Delay Skew) können bei paralleler Signalübertragung kritisch werden. Grenzwerte für alle Parameter sind in der Norm tabellarisch nach Frequenz und Klasse definiert.
Herstellerneutralität als Vorteil
Weil DIN EN 50173 komponentenneutrale Anforderungen formuliert, sichern Sie mit einer normkonformen Ausschreibung Herstellerunabhängigkeit. Komponenten verschiedener Anbieter können kombiniert werden, solange jede für die erforderliche Kategorie zertifiziert ist und die Kanalabnahme bestanden wird.
Topologie und Subsysteme nach DIN EN 50173
Die Norm definiert nicht nur Kabelanforderungen, sondern auch die räumliche Struktur einer normativen Verkabelungsanlage. Diese Hierarchie ist die Grundlage für strukturierte Verkabelung.
Drei Bereiche der Verkabelung
Der Primärbereich (Campusverkabelung) verbindet Gebäude auf einem Gelände. Der Sekundärbereich (Gebäudeverkabelung) verbindet Etagen- mit Gebäudeverteiler. Der Tertiärbereich (Horizontalverkabelung) verbindet den Etagenverteiler mit den Anschlussdosen am Arbeitsplatz. Für den Tertiärbereich gilt eine Maximallänge von 90 Metern für die feste Installation.
Verteilerstrukturen: CD, BD, FD und TO
Der Campus Distributor (CD) verbindet Gebäude, der Building Distributor (BD) Etagen innerhalb eines Gebäudes, der Floor Distributor (FD) die Anschlussdosen auf einer Etage. Das Telecommunications Outlet (TO) ist die Anschlussdose am Arbeitsplatz. Alle Verbindungen zwischen diesen Punkten folgen den Längen- und Leistungsvorgaben der Norm.
Sternverkabelung als Normvorgabe
DIN EN 50173 schreibt eine sternförmige Topologie vor: Jede Dose führt als eigene Verbindung zum Verteiler, nicht als Daisy-Chain. Das erhöht Fehlertoleranz, Messbarkeit und Wartungsfreundlichkeit. Konsolidierungspunkte als Abweichung sind nur unter bestimmten Bedingungen normkonform.
Normgerechte Abnahme und Messprotokoll

Eine Verkabelung gilt erst dann als normkonform, wenn sie durch eine Kanalmessung nachgewiesen und dokumentiert wurde. Das Messprotokoll ist Bestandteil der vertraglichen Übergabe und Grundlage für Herstellergarantien.
Kanalmessung nach EN 50173
Nach der Installation wird jede Strecke mit einem zertifizierten Messgerät geprüft: NEXT, Einfügedämpfung, Rückflussdämpfung, Delay Skew und weitere Parameter müssen die Grenzwerte der geforderten Klasse einhalten. Besteht auch nur eine Dose nicht, gilt die Anlage in diesem Bereich als nicht normkonform. baconnect misst und protokolliert nach EN 50173 und übergibt ein prüffähiges Dokument.
OTDR-Messung für Glasfaserstrecken
Für Lichtwellenleiter wird zusätzlich ein OTDR eingesetzt, das Dämpfung, Spleißverluste und Faserbrüche auf einer Kurve abbildet. Mehr dazu auf der Seite OTDR-Messung und Zertifizierung. Auch hier ist das Messprotokoll Bestandteil der Abnahme nach DIN EN 50173.
Bedeutung für Garantien und Haftung
Hersteller bieten erweiterte Systemgarantien nur auf Basis normkonformer Installation und dokumentierter Kanalmessung. Fehlt das Protokoll, entfällt die Garantie. Das Messprotokoll schützt vor Haftungsrisiken und ist auch wirtschaftlich relevant, weil es die Qualität der Installation dauerhaft nachweist.