OTDR-Messung an einer Glasfaserstrecke im Unternehmenseinsatz
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Wissen

Wie funktioniert eine OTDR-Messung?

Das OTDR ist das Standardwerkzeug zur Qualitätsprüfung von Glasfaserstrecken. Hier erfahren IT-Entscheider und Netzwerkplaner, wie die Messung abläuft, was das Protokoll belegt und warum die Messung bei jeder professionellen Glasfaser-Abnahme dazugehört.

Das OTDR misst die Strecke von einem Ende aus und zeigt jeden Spleiß, jeden Stecker und jeden Fehler metergenau auf der Kurve.

OTDR steht für Optical Time Domain Reflectometer. Das Gerät sendet kurze Lichtimpulse in eine Glasfaser, wertet die Rückstreuung aus und erstellt daraus ein präzises Bild der gesamten Strecke, Verbindung für Verbindung, Meter für Meter. Das Ergebnis ist ein Messprotokoll, das Dämpfungswerte, Ereignisse und Fehlerstellen dokumentiert und als prüffähiger Nachweis bei der Abnahme nach EN 50173 dient.

Was ist ein OTDR und wofür wird es eingesetzt?

Ein OTDR misst Glasfaserstrecken von einem Ende aus, ohne dass am anderen Ende ein Empfänger nötig ist. Das macht es zum zentralen Prüfwerkzeug bei Neuinstallationen, Fehlersuche und Zertifizierungen.

Messprinzip: Lichtimpuls und Rückstreuung

Das Gerät sendet einen Lichtimpuls in die Faser und misst die Rückstreuung (Rayleigh-Streuung) sowie Reflexionen an Verbindungsstellen, Spleißen und Faserenden. Aus der Laufzeit des zurückgestreuten Lichts berechnet das OTDR die Position jedes Ereignisses auf der Strecke mit einer Genauigkeit im Zentimeterbereich.

Typische Einsatzfälle in der Praxis

OTDR-Messungen kommen bei vier Szenarien zum Einsatz: Abnahme neuer Glasfaserstrecken nach EN 50173, Lokalisierung von Faserbrüchen und Dämpfungsproblemen, Qualitätskontrolle nach LWL-Spleißarbeiten sowie periodische Prüfung kritischer Infrastrukturtrassen. Für Unternehmen in Bremen und Niedersachsen ist die Abnahmemessung mit Protokoll der häufigste Auftrag.

OTDR-Messung Schritt für Schritt

OTDR-Display mit Rückstreukurve einer Glasfaserstrecke
KI-Symbolbild, keine reale Person

Eine OTDR-Messung folgt einem definierten Ablauf. Wer den Prozess kennt, kann die Ergebnisse besser einordnen und im Abnahmegespräch gezielt nachfragen.

Vorbereitung der Glasfaserstrecke

Vor der Messung werden alle Stecker gereinigt und auf Beschädigungen geprüft. An jedem Messport wird eine Referenzfaser (Launch Cable) angeschlossen, typisch 100 bis 200 Meter, damit das OTDR auch die steckerseitige Dämpfung am Startpunkt erfassen kann. Verschmutzte oder beschädigte Stecker verfälschen das Messergebnis und sind die häufigste Ursache für Fehlmessungen.

Messparameter einstellen und Messung durchführen

Der Techniker stellt Wellenlänge (1310 nm oder 1550 nm für Singlemode, 850 nm oder 1300 nm für Multimode), Impulsbreite und Messbereich ein. Längere Impulse verbessern die Reichweite, reduzieren aber die Auflösung kurzer Ereignisse. Nach der Messung speichert das OTDR die Kurve als standardisiertes Bellcore-Format (SOR-Datei), das mit gängiger Auswertesoftware gelesen werden kann.

Ergebnis: die OTDR-Kurve lesen

Die Kurve zeigt die Signalstärke über die Streckenlänge. Ein gleichmäßig abfallender Verlauf entspricht der normalen Faserdämpfung. Stufenförmige Absenkungen markieren Spleißstellen oder Steckverbindungen, Spitzen nach oben weisen auf Reflexionen hin, etwa an Steckern oder mechanischen Spleißverbindungen. Am Streckenende erscheint ein deutlicher Reflexionspeak, der das Faserende markiert. Überschreiten Dämpfungswerte die Grenzwerte nach EN 50173, zeigt das Protokoll das als Fehler an.

Was zeigt das OTDR-Messprotokoll?

Das Messprotokoll ist das eigentliche Abnahmedokument. Es listet alle Ereignisse auf der Strecke auf und vergleicht die gemessenen Werte mit den Grenzwerten nach EN 50173.

Dämpfung, Ereignisse und Fehlerpositionen

Das Protokoll enthält die Gesamtdämpfung der Strecke in dB, die Einfügedämpfung jeder Verbindung (Spleiß, Stecker), die Rückflussdämpfung (ORL) sowie die Positionsangabe jedes Ereignisses in Metern ab dem Startpunkt. Spleißdämpfungen unter 0,1 dB gelten als sehr gut, Steckerdämpfungen sollten unter 0,5 dB liegen. Überschreitungen werden im Protokoll als Fehlerstellen markiert.

Normkonformität nach EN 50173 nachweisen

Die EN 50173 legt Grenzwerte für die zulässige Kanalgesamtdämpfung je Fasertyp und Wellenlänge fest. Das Messprotokoll vergleicht die gemessenen Werte automatisch mit diesen Grenzwerten und weist Konformität oder Abweichung aus. Nur ein normkonformes Protokoll ist ein prüffähiger Nachweis gegenüber Auftraggebern, Versicherern und bei Garantieansprüchen gegenüber dem Errichter. Mehr zur Zertifizierungspflicht lesen Sie auf unserer Seite OTDR-Messung und Zertifizierung.

OTDR-Messung vs. OLTS: Wann welches Verfahren?

Neben der OTDR-Messung gibt es die OLTS-Methode (Optical Loss Test Set), die die Einfügedämpfung mit Lichtquelle und Powermeter bestimmt. Beide Verfahren ergänzen sich.

Stärken der OTDR-Messung

Das OTDR liefert eine detaillierte Streckenkarte mit Positionsangaben für jedes Ereignis. Es erkennt Faserbrüche, lokale Dämpfungsspitzen und schlechte Spleißverbindungen auf Anhieb. Bei langen Strecken oder komplexen Infrastrukturen mit vielen Spleißen ist die OTDR-Messung das zuverlässigere Diagnoseinstrument.

Wann reicht eine OLTS-Messung?

Die OLTS-Messung ist schneller und kostengünstiger bei kurzen, überschaubaren Strecken mit wenigen Verbindungen, etwa in kleinen Serverräumen. Sie misst die Gesamtdämpfung präziser als ein OTDR, zeigt aber nicht, wo auf der Strecke ein Problem liegt. Für Abnahmen nach EN 50173 wird in der Praxis überwiegend die OTDR-Messung gefordert oder beide Verfahren werden kombiniert eingesetzt.

Wann ist eine OTDR-Messung Pflicht?

Die EN 50173 (strukturierte Verkabelung) und VDE 0800-730 schreiben für die Abnahme von Glasfaserstrecken eine Messung und Dokumentation vor. Wer eine neue Glasfaserstrecke in Betrieb nimmt, muss das normkonforme Messprotokoll als Abnahmedokument vorlegen können, sonst erlischt der Garantieanspruch gegenüber dem Errichter. Versicherer fordern bei Schadensfällen an Datenleitungen zunehmend den Nachweis einer Abnahmemessung. Darüber hinaus ist die OTDR-Messung bei Übergaben im Rahmen von Miet- oder Kaufverträgen für Gewerbeimmobilien und bei Carrier-Anbindungen regelmäßig vertraglich vereinbart. Bei Glasfaserverkabelungsprojekten von baconnect gehört die OTDR-Messung mit Übergabeprotokoll zum festen Leistungsumfang jeder Abnahme.

Häufige Fragen

Was ist eine OTDR-Messung?

Eine OTDR-Messung (Optical Time Domain Reflectometer) prüft Glasfaserstrecken, indem Lichtimpulse in die Faser gesendet und die Rückstreuung gemessen wird. Das Ergebnis ist eine detaillierte Streckenkarte mit Positionsangaben für Dämpfungsereignisse, Spleißstellen und Faserenden.

Wie lange dauert eine OTDR-Messung?

Die eigentliche Messung dauert pro Faser und Wellenlänge wenige Minuten. Der Gesamtaufwand am Standort hängt von der Anzahl der Fasern und Strecken ab. Bei typischen Unternehmensinstallationen mit mehreren Trassen rechnen wir für Messung, Auswertung und Protokollerstellung mit einem halben bis einem Arbeitstag.

Was misst ein OTDR genau?

Ein OTDR misst Gesamtdämpfung, Einfügedämpfung an jeder Verbindung (Spleiß, Stecker), Rückflussdämpfung (ORL) und die genaue Position jedes Ereignisses auf der Strecke. Die Kurve zeigt außerdem, ob der Faserlaufweg gleichmäßig ist oder ob es Knicke, Quetschungen oder Beschädigungen gibt.

Ist eine OTDR-Messung nach EN 50173 Pflicht?

Ja. Für Glasfaserstrecken, die nach EN 50173 abgenommen werden, ist eine dokumentierte Messung vorgeschrieben. Nur das Messprotokoll belegt die Normkonformität und ist Voraussetzung für Garantieansprüche gegenüber dem Errichter sowie für Versicherungsnachweise.

Was ist der Unterschied zwischen OTDR und OLTS?

Ein OTDR erstellt eine detaillierte Streckenkarte mit Positionsangaben für alle Ereignisse und eignet sich besonders zur Fehlersuche. Ein OLTS (Lichtquelle plus Powermeter) misst die Gesamtdämpfung sehr präzise, zeigt aber nicht, wo auf der Strecke ein Problem liegt. Für Abnahmen nach EN 50173 wird die OTDR-Messung üblicherweise gefordert oder beide Verfahren kombiniert.

Führt baconnect OTDR-Messungen in Bremen und Niedersachsen durch?

Ja. Als regionaler Glasfaser-Spezialist mit Sitz in Ritterhude sind wir für Abnahmen, Fehlersuche und periodische Prüfungen in Bremen und Niedersachsen vor Ort. Nehmen Sie Kontakt auf, damit wir einen Termin koordinieren können.

OTDR-Messung und Messprotokoll für Ihre Glasfaserstrecke

Wir messen, dokumentieren und übergeben ein normkonformes Protokoll nach EN 50173. Für Abnahmen, Fehlersuche und periodische Prüfungen in Bremen und Niedersachsen.

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